Tom Gehirnblutung bei der Geburt - jetzt 16 Jahre alt

Wir (ich und mein Mann) waren richtig glücklich, als wir erfahren haben, dass ich schwanger war. Doch schon in der 24. Woche setzten Wehen ein. sofort wurde ich in die Klinik eingewiesen. Dort konnten die Ärzte die Geburt noch bis zur 31. Schwangerschaftswoche hinauszögern. Dann allerdings war nichts mehr zu machen. Alles ging unheimlich schnell, als für einen Moment keine Herztöne mehr zu hören waren. 

Alle wussten, dass jeder Tag die Chancen für unser Kind erhöht. Die Überlebensrate liegt in der 31. Schwangerschaftswoche bereits bei über 95%, hat man uns gesagt. Was uns nicht von Anfang an gesagt wurde, war die Tatsache, dass es oft zu Hirnblutungen kommt. Das wurde uns erst nach der Geburt mitgeteilt. Die Kinderärzte kämpften also von Beginn an gegen drohende Sekundärschädigungen. Um diese gering zu halten, wurden schon während der Zeit im Brutkasten immer wieder Bewegungsübungen mit Tom gemacht. 

Nach 12 Wochen durften wir die Klinik mit Tom verlassen. Im Entlassungsgespräch hat uns der Kinderarzt darüber informiert, dass Tom wahrscheinlich später einmal mit Einschränkungen leben muss. Was wir tun könnten, um die Einschränkungen zu minimieren, wollte er uns nicht recht sagen. Er wollte uns wahrscheinlich keine falschen Hoffnungen machen. Er meinte, wir sollen baldmöglichst zur Physiotherapie gehen. Mehr konnte er uns nicht mitgeben. 

Kaum 4 Wochen zu Hause hatten wir unseren ersten Termin bei der Therapeutin. Nach der ersten Diagnostik hat sie uns darauf hingewiesen, dass es notwendig ist, dass auch wir zu Hause mitarbeiten. Schon bei der ersten Behandlung hat sie Tom auf einen blauen Keil gelegt und uns erklärt was passiert. Wir waren alle überrascht, dass Tom schon nach 5 Minuten angefangen hat, den Kopf zu heben. Das konnte er bislang nicht. Als Hausaufgabe sollten wir Tom so oft es geht auf den Keil legen und mit ihm die Übungen aus der Therapie nachmachen. 

Den notwendigen Keil haben wir uns beim Sanitätshaus Rose ausgeliehen - das hat aber alles die Therapeutin organisiert. Nachdem wir ein Rezept zum Sanitätshaus geschickt hatten, haben die alles mit der Krankenkasse abgeklärt. Nach einer zusätzlichen Stellungnahme haben wir einen Brief von der Kasse bekommen, dass sie die Kosten für den Lagerungskeil in unserem Fall übernehmen. Ich glaube der Mann vom Sanitätshaus hat auch noch einen Brief an die Kasse geschickt. 

Hier noch einmal ein großer Dank an meine Kasse (hier ist leider keine Werbung erlaubt!).

Nach 6 Terminen bei der Therapeutin konnten wir stolz beobachten, dass Tom schon den Brustkorb abheben kann. Von dem asymmetrischen Muster, das Tom am Anfang noch hatte, war nichts mehr zu sehen. Die Therapeutin war mit unserer Mitarbeit so gut zufrieden, dass wir ab diesem Zeitpunkt nur noch alle 2 Wochen und später nur noch alle 4 Wochen hin mussten. 

Tom und wir als Eltern hatten bei der Therapie auf dem Keil richtigen Spaß. Wahrscheinlich hauptsächlich deswegen, weil wir die Fortschritte richtig gut verfolgen konnten. Am liebsten haben wir die Übung mit der Lampe gemacht. Da kam immer so ein Grinsen in Toms Gesicht.

Über die 6 Jahre bis zur Einschulung haben wir auch mal mit der Therapie pausiert. Tom hat sich wohl annähernd "normal" (wenn es das überhaupt gibt) entwickelt, besucht die Regelschule und macht nächstes Jahr seine mittlere Reife. 

Vom Kinderarzt und auch von der Klinik wurden wir immer als Paradebeispiel angeführt. 

Unsere Therapeutin hat uns gebeten den Bericht hier abzugeben, damit auch andere Eltern erfahren, wie man es schaffen kann.

 

P.S. Es kommt eventuell schon darauf an, wie groß die Schädigung durch die Hirnblutung ist - hab ich nachgelesen - aber wir haben es "Gott sei Dank" geschafft. 

 

 - Ach ja, auch der Keil in der nächsten Größe wurde von der Kasse übernommen, als der Kinderarzt von dem bislang guten Erfolg berichtet hat. Seit Tom 9 ist macht er keine Übungen mehr auf dem Keil - er war aber die Jahre vorher sehr Tapfer und hat fast immer gut mitgemacht!!!

 

Susanne und Dieter F. 43 und 45 Jahre.